Du hältst deinen positiven Schwangerschaftstest in der Hand – und plötzlich verändert sich alles. Von einem Moment auf den anderen eröffnet sich eine völlig neue Welt voller Entscheidungen, Meinungen und Möglichkeiten. Noch bevor dein Baby überhaupt geboren ist, begegnen dir Begriffe wie Beistellbett, Federwiege, Stillkissen, Babywanne oder Trageberatung. Und natürlich spült dir auch Instagram täglich neue „absolute Must-haves“ in den Feed.
Kommt dir das bekannt vor?
Kein Wunder, dass viele werdende Eltern sich erstmal überfordert fühlen. Schließlich möchte man alles richtig machen. Für das eigene Baby. Für den eigenen Start als Familie.
Und irgendwann landet man dann beim Thema Tragen.
Plötzlich merkt man: Auch das ist eine riesige Welt für sich.
Tragetuch oder Tragehilfe? Elastisch oder gewebt? Welche Bindeweise? Welche Größe? Und überhaupt – wird mein Baby später überhaupt gerne getragen werden? Die Auswahl scheint endlos. Gleichzeitig möchte niemand unnötig viel Geld ausgeben, nur um am Ende festzustellen, dass das gekaufte Produkt doch nicht zu einem passt.
Genau deshalb möchte ich in diesem Beitrag über das Herzstück der Tragewelt sprechen: das gewebte Tragetuch. Mein absolutes Herzensthema.
Denn ehrlich gesagt war ich anfangs selbst nicht sofort Team Tragetuch. Als meine erste Tochter geboren wurde, hatte ich sowohl eine Tragehilfe als auch ein gewebtes Tragetuch zuhause. Damals dachte ich: „Am Anfang trägt man eben im Tuch – und später steigt man auf die Tragehilfe um.“ So denken viele!
Also griff ich schon nach kurzer Zeit lieber zur Halfbuckle. Sie wirkte schneller, einfacher und unkomplizierter im Alltag. Das Tragetuch verschwand nach und nach im Regal. Bis zu dem Tag, an dem meine Tragehilfe mitten am Tag einem ordentlichen Spuckunfall zum Opfer fiel und dringend gewaschen werden musste. Meine Tochter war damals vier Monate alt und brachte bereits stolze acht Kilogramm auf die Waage. Also blieb mir nichts anderes übrig, als wieder zum Tragetuch zu greifen.
Und plötzlich war da dieser Moment. Das Tragen fühlte sich sofort leichter an, angenehmer, inniger. Fast schwerelos.
Heute weiß ich auch warum.
Ein gewebtes Tragetuch verteilt das Gewicht deines Babys großflächig über deinen gesamten Körper. Statt schmaler, gepolsterter Gurte liegt ein breiter Tuchstrang auf deinen Schultern. Das Tuch passt sich euch beiden an wie eine zweite Haut – deinem Körper genauso wie dem deines Babys.
Kein drückender Hüftgurt oder einschneidende Träger. Ein völlig anderes Tragegefühl. Und genau dieses Tragegefühl hat mich vollkommen überzeugt. Schon kurze Zeit später verkaufte ich meine Halfbuckle – und habe sie nie vermisst. Stattdessen begann ich, verschiedene Bindeweisen auszuprobieren und immer tiefer in die Welt der Tragetücher einzutauchen. Und ja … irgendwann sammelten sich dann doch mehr Tücher an, als ursprünglich geplant. Eine befreundete Stillberaterin sagte einmal zu mir:
„Man trägt ja schließlich auch nicht jeden Tag das gleiche T-Shirt.“
Mein Mann würde vermutlich behaupten, dass ich mir diesen Satz etwas zu sehr zu Herzen genommen habe. :-D
Mit der Geburt meiner zweiten Tochter wurde aus meiner Begeisterung schließlich echte Leidenschaft. Kurz darauf begann ich beim ältesten deutschen Hersteller für Tragehilfen und Tragetücher zu arbeiten und durfte viele Tragetücher entwickeln und auch viele Familien on- und offline beraten. Was glaubt ihr, was Eltern gekauft haben, die ich beraten habe? Ganz klar ein Tragetuch. Und gezeigt habe ich immer beides, sowohl die Tragehilfen als auch Tragetücher.
Elastisches oder gewebtes Tragetuch – was ist besser für mein Baby? Oder doch eine Tragehilfe?
Viele Eltern stoßen zuerst auf elastische Tragetücher. Sie bestehen meist aus weichem Jersey mit Elasthan-Anteil und wirken auf den ersten Blick besonders kuschelig und unkompliziert.
Was viele jedoch nicht wissen: Elastische Tragetücher eignen sich meist nur für kleine und leichte Babys und kommen vergleichsweise schnell an ihre Grenzen. Das Resultat: Kinder sacken ein mit zunehmenden Gewicht, die Tuchbahn auf den Schultern schneidet ein. Gewebte Tragetücher hingegen begleiten euch von Anfang an– sogar schon auf Neonatologien bei Frühchen – bis weit über das Babyalter hinaus.
Und genau das macht sie so besonders:
Ein einziges Tragetuch kann euch eure komplette Tragezeit begleiten.
Während man bei Tragehilfen häufig zwischen Baby-, Toddler- und Preschool-Größe wechselt, wächst ein gewebtes Tragetuch einfach mit euch mit. Ihr müsst nichts umstellen, wenn der Partner getragen hat. Das Tragetuch passt sich an, nicht ihr oder euer Baby muss sich anpassen.
Dazu kommt die enorme Vielfalt an Bindeweisen. Für nahezu jedes Bedürfnis, jeden Körperbau und jedes Tragepaar gibt es eine passende Möglichkeit. Ob zum Tragen vor dem Bauch, auf der Hüfte oder auf dem Rücken- ihr seid so flexibel!
Welche Rolle spielt das Flächengewicht beim Tragetuch?
Das Flächengewicht beschreibt, wie viel ein Tragetuch pro Quadratmeter wiegt. Vereinfacht gesagt: Es gibt Aufschluss darüber, wie dick oder dünn sich ein Tuch anfühlt.
Gerade für Frühchen und Neugeborene empfinden viele Eltern leichtere Tücher als besonders angenehm. Als guter Richtwert gelten hier Tragetücher mit 180-190 g/m².
Aber keine Sorge: Ein geringes Flächengewicht bedeutet nicht automatisch, dass das Tuch später nicht mehr geeignet ist.
Vor allem Mischgewebe können trotz leichter Qualität auch größere und schwerere Kinder wunderbar tragen.
Viel wichtiger als die reine Grammzahl ist am Ende ohnehin etwas anderes:
Dass dein Baby gut gestützt und sauber eingebunden ist. Das saubere Binden macht hier den Unterschied.
Das Material des Tragetuchs – ein entscheidender Faktor
Neben dem Flächengewicht spielt natürlich auch das Material eine große Rolle.
Für unsere Tragetücher verwenden wir ausschließlich Garne aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung. Das ist uns besonders wichtig, denn Babys haben direkten Hautkontakt zum Tuch – und spätestens beim Zahnen landet früher oder später sowieso alles im Mund.
Je nach Material bringt jedes Tragetuch unterschiedliche Eigenschaften mit.
Besonders beliebt für Neugeborene und zarte Babys sind weiche Mischungen mit:
- Leinen
- Hanf
- Wolle und Cashmere
- Seide
- oder reine Baumwolle, super easycare und hautfreundlich
Leinen beispielsweise wird oft erstaunlich schnell weich und eignet sich besonders gut für den Sommer, da es temperatur- und feuchtigkeitsausgleichende Eigenschaften besitzt.
Wolle wiederum wirkt wunderbar kuschelig und temperaturregulierend – perfekt für kühlere Monate.
Und genau hier zeigt sich auch wieder der besondere Vorteil gewebter Tragetücher:
Es gibt nicht das eine perfekte Tuch für alle. Sondern das passende Tuch für eure individuellen Bedürfnisse.
Welche Webung eignet sich für Anfänger und Neugeborene?
Neben Material und Flächengewicht beeinflusst auch die Webung das Tragegefühl.
Besonders angenehm für Neugeborene und Trageneulinge sind weiche Jacquard-Webungen, wie beispielsweise Magnolia, Herba oder Leo.
Diese Tücher schmiegen sich besonders schön an und lassen sich angenehm festziehen.
Auch unsere Piqué-Webung Momentum erfreut sich großer Beliebtheit, da sie sehr kreuzelastisch ist und sich fast „wie von selbst“ bindet. Ein Doppelgewebe empfehle ich gern größeren und schwereren Kindern, weil es durch die Luftpolster super Gewicht von den Schultern nnimmt.
Viele Eltern denken anfangs, das Tragetuch müsse möglichst kompliziert oder technisch sein. Dabei ist oft genau das Gegenteil der Fall:
Ein gutes Tragetuch unterstützt dich beim Binden – statt gegen dich zu arbeiten.
Wie finde ich die richtige Tragetuchgröße?
Die richtige Tragetuchgröße hängt von verschiedenen Faktoren ab:
* deiner Konfektionsgröße
* den gewünschten Bindeweisen
* und manchmal auch davon, ob mehrere Personen das Tuch nutzen möchten
Es gibt deshalb nicht die eine perfekte Größe für alle.
Wenn du gerade erst mit dem Tragen beginnst, lohnt es sich, zunächst mit einer sogenannten Base Size zu starten. Dies ist die Bindeweise, mit der du die klassische Wickelkreuztrage binden kannst.
Und falls du dir unsicher bist:
Kontaktiere uns gern!
Eine gute Beratung kann dir viel Geld, Frust und Fehlkäufe ersparen. Gern vermitteln wir dir auch eine Trageberaterin.
Mein persönliches Fazit zum gewebten Tragetuch
Für mich ist das gewebte Tragetuch weit mehr als nur eine Möglichkeit, mein Baby zu tragen. Es bedeutet Nähe, Geborgenheit, Flexibilität und Freiheit.
Kein anderes Tragemittel passt sich so individuell an euch als Tragepaar an und begleitet euch gleichzeitig über eine so lange Zeit. Und auch nach der Tragezeit ist das Tragetuch ein toller Begleiter für Kinder- als Hängematte, als eine Schaukel, zum Bauen von Höhlen gern eingesetzt und vieles mehr.
Und genau deshalb ist das gewebte Tragetuch bis heute mein absolutes Herzensthema. Nichts kommt an das Tragegefühl des gewebten Tragetuchs.












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